A–Z Meeresbiologin · Delfinforscherin

Ich gehe näher ran, um besser zu verstehen. Ich verstehe, um besser zu schützen.

Ich bin Angela Ziltener, Meeresbiologin und Delfinforscherin. Seit vielen Jahren tauche ich im nördlichen Roten Meer mit wilden Indopazifischen Grossen Tümmlern und erforsche ihr Verhalten aus nächster Nähe. Die Delfine suchen diese Nähe freiwillig. So sehe ich, was sonst verborgen bleibt: ihre Persönlichkeiten, ihre Freundschaften, ihre Kultur.

Scrollen
Foto: Angela Ziltener

Forschung

Delfine erleben, aus ihrer Perspektive.

Ich erforsche wilde Delfine in ihrem natürlichen Lebensraum, beim Gerätetauchen und auf Augenhöhe. Meine Langzeitstudie ermöglicht einzigartige Einblicke in ihr Leben, ihr Verhalten und ihre sozialen Beziehungen.

Aufklärung

Verbindung schaffen zwischen Mensch und Natur.

Ich möchte die Faszination für Delfine und die Meereswelt weitergeben, Wissen vermitteln und Brücken zwischen Menschen und Tieren bauen. Denn wer versteht und sich verbunden fühlt, kann auch Verantwortung übernehmen.

Schutz

Faszination soll Verantwortung schaffen.

Ich setze mich für einen nachhaltigen und respektvollen Delfintourismus ein, für Begegnungen, bei denen die Tiere im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig engagiere ich mich gegen Delfinarien und gegen die Bejagung von Walen und Delfinen.

Foto: Helen Sampson
Nördliches Rotes Meer
Indopazifische Grosse Tümmler
Langzeitstudie · 470 identifizierte Individuen
Meine Geschichte

Von der ersten Begegnung bis heute

Schon als Kind waren das Meer und die Delfine für mich eine Quelle grenzenloser Faszination. Meine erste Begegnung erlebte ich in Florida. Sie war so prägend, dass ich unbedingt Englisch lernen wollte, um mehr Zeit in Florida zu verbringen. Meine Gedanken kreisten nur um den nächsten Besuch und die Möglichkeit, endlich mit Delfinen schwimmen zu können. Diese erste verpasste Gelegenheit wurde zum Antrieb für meinen Entwicklungsweg.

Im Februar 2000, bei meinem ersten Schnuppertauchgang auf den Malediven, war ich über zwanzig Minuten mit einer Gruppe Gewöhnlicher Grosser Tümmler unter Wasser. In diesem Moment wusste ich: Das ist nicht nur ein neues Forschungsziel oder eine berufliche Neuordnung, das ist meine Lebensaufgabe. Während meines Biologiestudiums und durch die Arbeit mit Primaten im Regenwald lernte ich, dass man Tiere nur wirklich versteht, wenn man viel Zeit mit ihnen verbringt. Der Regenwald hat mir beigebracht, hinzusehen und zu warten. Genauso arbeite ich heute mit Delfinen: Ich tauche mit ihnen, werde Teil ihrer Gruppe und bekomme so einen seltenen Einblick in ihr verborgenes Leben.

Als ich in Ägypten die Folgen von Delfintourismus und Treibjagden sah, wurde mir klar: Forschung allein genügt nicht. Ich begann aufzuklären, Bildungsprogramme mit lokalen Partnern aufzubauen und gemeinsam mit den Behörden Schutzmassnahmen zu entwickeln. Um diese Arbeit langfristig zu sichern, gründete ich zusammen mit Freunden die Dolphin Watch Alliance. Heute setze ich mich dafür ein, dass Menschen Delfine nicht nur bewundern, sondern sie verstehen, ihren Lebensraum respektieren und schützen.

Zwischen den Welten

Ich lebe in mehreren Welten und baue Brücken dazwischen

Ich bewege mich zwischen unterschiedlichen Welten und verbinde, was auf den ersten Blick weit auseinanderliegt: Land und Meer, Mensch und Tier, Schweiz und Ägypten, Wissenschaft und Empathie.

Foto: Philip Hamilton

Pionierin

Ich erforsche wilde Delfine dort, wo ihr Verhalten entsteht: in ihrem natürlichen Lebensraum und mitten in der Gruppe beim Gerätetauchen. Meine Langzeitstudie ermöglicht eine besonders unmittelbare Beobachtung ihrer Lebensweise.

Botschafterin

Ich möchte den Delfinen eine Stimme geben und ihre Perspektive sichtbar machen: in der Wissenschaft, im Tourismus, gegenüber Behörden und in der Öffentlichkeit.

Brückenbauerin

Durch mein Leben in unterschiedlichen Kulturen und Lebenswelten habe ich gelernt, offen zu bleiben, zuzuhören und mich auf Neues einzulassen. Diese Erfahrung prägt meine Arbeit mit Menschen und Tieren.

Ich möchte Wissen und Empathie verbinden und daraus Verständnis, Respekt und Verantwortung entstehen lassen.
Werte

Fünf Werte tragen meine Arbeit

Intuition

Der inneren Stimme zu vertrauen, ist für mich ein wesentlicher Teil meines Weges. Die Delfine haben mich daran erinnert, wie kraftvoll Instinkt sein kann. Der Regenwald und die Unterwasserwelt haben mich gelehrt, meine Intuition bewusster wahrzunehmen, ihr zu vertrauen und ihr zu folgen.

Empathie

Delfine wahrnehmen, mitfühlen, die Perspektive wechseln. Sie sind soziale Wesen, und so begegne ich ihnen.

Begeisterung

Brücken bauen zwischen Menschen und Tieren. Faszination vermitteln und zu verantwortlichem Verhalten befähigen.

Respekt

Würde und Grenzen der Tiere achten, so wenig wie möglich stören, verantwortungsvoll handeln.

Neugierde

Fasziniert von der Lebensrealität der Delfine und vom Unbekannten. Die Delfine überraschen mich bis heute.

Forschung

Verhalten verstehen, dort, wo es geschieht

Ich erforsche das Verhalten von Indopazifischen Grossen Tümmlern dort, wo es mehrheitlich stattfindet: unter Wasser, in ihrem natürlichen Lebensraum. Eine Langzeitstudie über wilde Delfine beim Gerätetauchen ist weltweit einzigartig.

Über die Jahre haben mein Team und ich 470 einzelne Delfine anhand ihrer individuellen Merkmale identifiziert und ihr Verhalten dokumentiert.

Die freiwillige Nähe der Tiere ermöglicht Beobachtungen, die unter anderen Bedingungen nur schwer möglich wären. Viele Delfine kennen mich seit Jahren und suchen von sich aus die Nähe. Das über lange Zeit gewachsene Vertrauen zwischen Mensch und Tier schafft einen besonderen Zugang und erlaubt es, ihr Verhalten in ihrer natürlichen Umgebung unmittelbar und wiederholt zu beobachten.

So gewinnen wir Einblicke in ihre sozialen Beziehungen, ihre Kommunikation und die Dynamik ihrer Gruppen: Beobachtungen, wie sie aus grösserer Distanz kaum möglich wären.

Einige dieser Beobachtungen haben zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt, etwa zur gezielten Nutzung von Korallen und Schwämmen durch die Delfine.

Was mich dabei besonders fasziniert: Jeder Delfin ist eine eigene Persönlichkeit, mit individuellen Eigenschaften und Beziehungen, die über viele Jahre bestehen können. Dieses Zusammenspiel aus wissenschaftlicher Beobachtung, Nähe und gegenseitigem Vertrauen prägt meine Arbeit.

Foto: Eric Demay
470identifizierte Delfine
Engagement & Schutz

Forschung allein genügt nicht

Je mehr Zeit ich mit den Delfinen verbringe, desto stärker wird für mich die Verantwortung, mich auch für ihren Schutz einzusetzen. Was ich unter Wasser beobachte und über die Jahre lerne, möchte ich weitergeben: an die Öffentlichkeit, an die Tourismusbranche und an die Behörden.

Mir ist wichtig, dass Begegnungen mit freilebenden Delfinen möglich bleiben, ohne die Tiere zu bedrängen oder ihr natürliches Verhalten zu verändern. Deshalb setze ich mich für einen respektvollen und nachhaltigen Delfintourismus und für klare Regeln im Umgang mit den Tieren ein.

Gleichzeitig engagiere ich mich gegen Delfinarien, gegen den Beifang und gegen die Bejagung von Walen und Delfinen. Für mich gehören Forschung und Schutz untrennbar zusammen: Nur wenn wir verstehen, wie Delfine leben und was sie brauchen, können wir sie wirksam schützen.

Mit der Dolphin Watch Alliance und unseren lokalen Partnern im Roten Meer setze ich dieses Wissen in konkrete Schutzarbeit um. Gemeinsam entwickeln wir Bildungsangebote, unterstützen Schutzgebiete und arbeiten an Richtlinien für einen verantwortungsvollen Umgang mit Delfinen und ihrem Lebensraum.

Für mich bedeutet Naturschutz deshalb nicht nur, über Tiere zu sprechen. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen: für die Tiere, die ich kenne, und für ihre Zukunft.

Kernbotschaften

Drei Dinge, die ich weitergeben möchte

Wissenschaftlich

Jahrzehntelange Beobachtungen unter Wasser haben mir gezeigt, wie viel wir über Delfine lernen können, wenn wir ihnen Zeit und Raum geben. Wenn die Tiere uns kennen und ihre Nähe freiwillig suchen, können wir Verhaltensweisen beobachten, die sonst verborgen bleiben würden.

Gesellschaftlich

Delfine sind individuelle Persönlichkeiten mit komplexen sozialen Beziehungen, eigenen Kommunikationsformen und kulturell geprägten Verhaltensweisen. Für mich bedeutet das auch, der Natur mit Respekt zu begegnen: ihre Eigenständigkeit anzuerkennen, ihre Grenzen zu achten und unseren Umgang mit ihr verantwortungsvoll zu gestalten.

Persönlich

Schon seit meiner Kindheit begleiten mich Delfine. Was damals als Faszination begann, ist zu meiner Lebensaufgabe geworden: ihre Welt zu verstehen, dieses Wissen weiterzugeben und mich für ihren Schutz einzusetzen. Dabei geht es für mich um mehr als den Schutz einer einzelnen Tierart. Es geht um eine Haltung gegenüber der Natur: beobachten, verstehen, respektieren und bewahren.

Medien & Vorträge

Vorträge, Medien und Begegnungen

Meine Arbeit mit freilebenden Delfinen hat mich in internationale Naturfilmproduktionen geführt, darunter BBC Blue Planet II und Disneynature Dolphin Reef. Im September 2026 feierte «Dolphins: My Close Encounters» von Silverback Films am Zurich Film Festival Weltpremiere, ein Film über meine langjährige Forschung und die besondere Beziehung, die über viele Jahre zwischen den Delfinen und mir entstanden ist.

In Vorträgen, Interviews und Reportagen nehme ich Menschen mit in die Welt der Delfine und erzähle davon, was wir von ihnen lernen können: über Persönlichkeit, Freundschaft, soziale Beziehungen und Kultur, aber auch darüber, wie wir der Natur mit Respekt begegnen können.

Meine Geschichten reichen dabei über die Delfinforschung hinaus: von meinen Jahren im Regenwald und den Beobachtungen an Primaten bis zu meinem Leben unter Wasser. Es sind Erfahrungen aus unterschiedlichen Lebenswelten, die meine Sicht auf Tiere, Menschen und unsere Beziehung zur Natur geprägt haben.

Delfine verstehen

Was uns Langzeitforschung unter Wasser über Persönlichkeit, Freundschaft, soziale Beziehungen und Kultur der Delfine zeigt.

Respektvoller Tourismus

Wie Begegnungen mit freilebenden Delfinen so gestaltet werden können, dass sie die Tiere respektieren und gleichzeitig Menschen für ihren Schutz begeistern.

Vom Regenwald ins Riff

Was ich bei der Beobachtung von Primaten im Regenwald gelernt habe, und wie diese Erfahrungen meine Arbeit mit Delfinen bis heute prägen.

Leben zwischen verschiedenen Welten

Was unterschiedliche Lebensräume und Kulturen uns über Offenheit, Anpassung und neue Perspektiven lehren, und warum es sich lohnt, die Welt immer wieder mit anderen Augen zu betrachten.

Medien, Konferenzen, Unternehmen und Schulen, die meine Arbeit und Erfahrungen kennenlernen möchten, sind herzlich eingeladen, mich zu kontaktieren.

BBC Blue Planet II Disneynature Dolphin Reef Silverback Films Zurich Film Festival 2026

Neu: SRF Kulturplatz

Foto: Helen Sampson

«Kühne Träume und grosse Stars am Zurich Film Festival», SRF Kulturplatz, 30. September 2026. Mein Teil beginnt bei Minute 15:37. Auf Play SRF ansehen

Foto: Helen Sampson
«Ich gehe näher ran, um besser zu verstehen. Ich verstehe, um besser zu schützen.»